Der neue alte Audi R8
Der Audi R8 des Baujahres 2002 ist eine Weiterentwicklung des 2001 er Modells. Äußerlich unterscheidet er sich kaum vom 2001 er Modell. Auf den ersten Blick sichtbar sind nur die Modifikationen im Bereich der Heckpartie, durch die der Heckflügel des R8 noch effizienter umströmt wird als bisher.
Die anderen Änderungen sind selbst für einen Fachmann kaum sichtbar. „Aber wir haben den R8 an allen Ecken und Enden optimiert“, sagt Wolfgang Appel, Leiter Fahrzeugtechnik bei Audi Sport. Dabei handelte es sich allerdings um keine spektakulären Eingriffe, sondern um viel Fleißarbeit im Detail.
Ob Feinschliff an den Kühlluftkanälen, Reduzierung der Reibungsverluste in der Mechanik, Optimierung der Fahrwerksgeometrie mit Hilfe eines dynamischen Prüfstands oder weitere Absenkung des Schwerpunkts – die Modifikationen sind subtil, in der Summe aber effektiv. „Das Auto sollte auf allen Strecken schneller sein als im Vorjahr“, ist Appel überzeugt.
Bei der akribischen Suche nach schlummernden Potenzialen zeigte sich allerdings auch, dass der R8 schon im Vorjahr ein ziemlich perfektes Rennauto war. „Die Balance und die Gewichtsverteilung waren so, wie wir sie haben Wollten“, sagt Appel.
Sein Kollege Ulrich Baretzky, als Leiter Motorentechnik für die Weiterentwicklung des 3,6 Liter großen V8-Biturbomotors verantwortlich, stand vor einer ähnlichen Aufgabe wie Appel. Für die Saison 2002 sollte kein neuer Motor entstehen, sondern das FSI-Triebwerk verfeinert werden.
„Weil die Entwicklungszeit vor Le Mans im letzten Jahr sehr knapp war, wussten wir, dass der FSI-Motor noch Potenzial hat“, erklärt Baretzky. „Wir haben inzwischen viel mehr Erfahrung mit der FSI-Technologie.“
Dabei stand nicht die Steigerung der maximalen Motorleistung im Vordergrund, da diese durch die vom Reglement vorgeschriebenen Luftmengenbegrenzer ohnehin limitiert ist. „Es ging mehr um Drehmomentverlauf und Kraftstoffverbrauch“, erläutert Baretzky, der mit dem Ergebnis zufrieden ist: „Der Motor 2002 ist noch besser als der Motor 2001 – und zwar für den Fahrer spürbar.“ Mit der Einführung der Direkteinspritzung (FSI) hat Audi in der vergangenen Saison einmal mehr seinen Slogan „Vorsprung durch Technik“ untermauert.
Beim FSI-Motor wird die exakt benötigte Benzinmenge mit einem Druck von 100 bar direkt in den Brennraum eingespritzt. Die Folge sind ein geringerer Benzinverbrauch, eine Leistungssteigerung im unteren Drehzahlbereich und ein besseres Ansprechverhalten.
Doch nicht nur in Sachen Motortechnik ist der Infineon Audi R8 „state of the art“ und seit zwei Jahren der Rennsportwagen, den es zu schlagen gilt. Das Kohlefaser-Chassis verfügt über eine enorme Steifigkeit, die auch in Sachen Sicherheit neue Standards setzte. Die Kraftübertragung auf die Michelinbereiften Hinterräder erfolgt über ein sequenzielles Sechsganggetriebe, das per Schaltwippen am Lenkrad pneumatisch betätigt wird.
Der Gangwechsel erfolgt mit weitaus höherer Präzision als von Hand und damit mit geringstem Verschleiß – bei Langstrecken-Rennen ein entscheidender Faktor. Für die Fahrer ist die Lenkradschaltung nicht nur komfortabel, sondern auch ein Sicherheitsfaktor. Sie können stets beide Hände am Lenkrad lassen und trotzdem mitten in einer Kurve schalten.
Vom Cockpit aus lassen sich auch verschiedene Elektronikkennfelder anwählen, mit denen die Motorcharakteristik dem Streckenlayout und den Witterungsverhältnissen angepasst werden kann. Eine elektronische Überwachung des Reifendrucks warnt vor gefährlichen Reifenschäden. Eine ganz entscheidende Stärke des R8 ist seine Zuverlässigkeit. „Wir gehen keine technischen Risiken ein“, erklärt Dr. Wolfgang Ullrich. „Haltbarkeit ist bei Audi oberstes Gebot.“
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